Mountainbikes im Test: 11 All-Mountain-Bikes bis 3000 Euro (2017)

MTB-Test: 11 All-Mountains bis 3000 Euro

Test All-Mountain-Bikes
Foto: Dennis Stratmann

Die beliebteste Kategorie, die angesagteste Laufradgröße, die attraktivste Preisklasse und die wichtigsten Marken: Wir haben 11 All-Mountain-Bikes bis 3000 Euro getestet. Vergleichbare Produkte im Test

Von uns getestet: 11 All-Mountain-Bikes bis 3000 Euro

  • All-Mountain-Fullys – das sind die Alleskönner, die auch auf anspruchsvollen Touren oder dem Alpencross glänzen.
  • 140–150 mm Federweg sind in dieser Kategorie Standard. Das sorgt für viel Komfort und Fahrsicherheit, ohne mit starken Antriebseinflüssen zu nerven.
  • Beliebtestes Laufradmaß im All-Mountain-Segment ist und bleibt 27,5". Die kleineren Räder sind agiler, verspielter als die 29"-Pendants.
  • 13,8 Kilo wiegen unsere Testbikes im Schnitt – für Allrounder noch so gerade eben in Ordnung. Ursächlich dafür ist meist eine solide, überraschend bergablastige Ausstattung.
  • Mit einem Durchschnittspreis von 2700 Euro liegen die 11 All-Mountains in diesem Testfeld mehr als 900 Euro unter dem Preis, den unsere Leser für ihr nächstes Fully ausgeben wollen (3619 Euro, Quelle: MOUNTAINBIKE Leserbefragung 2016)

Das Testfeld im Überblick

Hersteller und Modell / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Canyon Spectral AL 6.0 EX (2017) 2599 Euro Überragend
Cube Stereo 140 HPA Race 27.5 (2017) 2699 Euro Sehr gut
Focus Jam Evo (2017) 2999 Euro Sehr gut
Ghost SL AMR X 5 AL (2017) 2599 Euro Sehr gut
Giant Trance 1.5 LTD-B (2017) 2699 Euro Sehr gut
Merida One-Forty 700 (2017) 2999 Euro Sehr gut
Specialized Stumpjumper FSR Comp (2017) 2799 Euro Sehr gut
Bergamont Trailster 7.0 (2017) 2899 Euro Gut
BMC Speedfox 03 Trailcrew NX (2017) 2999 Euro Gut
Centurion No Pogo 2000.27 (2017) 2799 Euro Gut
Stevens Whaka (2017) 2699 Euro Gut

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Volksfully? Das klingt abgedroschen und in Zeiten von Trump und Co. gar ein bisschen zweifelhaft. Und doch ist es die treffendste Bezeichnung für unsere elf Testbikes. Weil diese sehr genau dem Willen unserer Leserschaft entsprechen. Per Mehrheitsentscheid quasi. So gaben bei unserer letzten Leserbefragung (mit über 17 000 Teilnehmern!) 40 Prozent an, in der All-Mountain-Kategorie ihr neues Traum-MTB zu suchen.

Kein Wunder, versammeln sich im 140/150-mm-Federweg-Segment doch die veritabelsten Allround-Mountainbikes auf dem Markt. Alleskönner, die Effizienz berghoch und Genuss bergab gleichermaßen garantieren, die den täglichen Trailride ebenso zum Vergnügen machen wie den Alpencross oder den Urlaub in Finale Ligure, am Gardasee, in den Dolomiten. Und die Frage Fully oder Hardtail ist für unsere Leser eh klar: 73 Prozent befürworten die Vollfederung.

In diesem MTB-Test haben wir uns auf Bikes mit 27,5"-Laufrädern beschränkt. Denn die kleinste der aktuellen Laufradgrößen steht mit 49 Prozent klar höher im Kurs als 29" (35 %) und 27,5 Plus (8 %). Und die agilen, spielfreudigen 27,5"-Laufrädr passen unserer Meinung nach eh besser zu Bikes mit mindestens 140 mm Federweg. Obwohl 29"-All-Mountains dank verbesserter Geometrien aktuell einen kleinen Boom erleben, sind und bleiben diese ziemliche Dickschiffe, die dem Gros der All-Mountaineers schlicht zu lang, zu träge sind.

Das will die Masse: 27,5", 140–150 mm, Alu

Und was spricht Volkes Wille zum Thema Rahmenmaterial? Alu, dazu sagen 53 Prozent der MOUNTAINBIKE-Leser ja – von Carbon träumen „nur“ 38 Prozent. Die von uns für diesen Test angefragten 18 MTB-Marken sind ebenfalls volksnah. Sei es Canyon, Cube oder Specialized, eine der Marken steht auf jedem vierten Wunschzettel. Das ist immens, wenn man bedenkt, dass es weit über 50 renommierte MTB-Hersteller auf dem Markt gibt.

Bleibt noch der Preis. Und hier haben wir dann doch ein wenig geschummelt. Denn im Schnitt wollen unsere Leser für ihr nächstes Fully erstaunlich üppige 3619 Euro ausgeben. Mit einem Durchschnittspreis von 2700 Euro sind die elf Testkandidaten davon durchaus weit entfernt, diese Preiskategorie erschien uns bei der Bestellung jedoch weniger wunsch- als realitätsnah. Zumal diese Klasse heuer wieder attraktiv geworden ist. Im Vorjahr empfanden viele potenzielle Käufer die Preisgestaltung als abgehoben, und so manches All-Mountain setzte bis zum stark reduzierten Abverkauf im Shop Staub an.

Vorbei: Mit dem Cube Stereo 140 HPA Race 27.5, dem Giant Trance 1.5 LTD-B und dem Merida One-Forty 700 bieten drei Testbikes eine sehr hochwertige Shimano-XT-Komplettausstattung, der Rest hält mit solidem Shimano-Deore-SLX-XT-Mix oder mit der sehr guten Sram-GX-Gruppe dagegen. Lediglich das BMC Speedfox 03 Trailcrew NX fällt mit der preisgünstigen Sram NX ab.

So sieht das optimale All-Mountain in 27,5“ aus



Noch wichtiger als die Güte dürfte den meisten ein Zahlenvergleich sein: 11 oder 22 Gänge? Da bieten sechs Testbikes einen 2 x 11-Antrieb, die anderen fünf schalten mit 1 x 11. Letzteres spart nicht nur Gewicht, es funktioniert auch exzellent: knackige und logische Gangwechsel, kein Kettengeklapper, sogar der Verschleiß ist unserer Erfahrung nach geringer. Und dennoch plädieren 42 Prozent unserer Leser für eine 2 x 11-Schaltung, nur 22 Prozent für 1 x 11. Der Wunsch nach einer vielseitigeren Bandbreite ist also ausgeprägt – und der ideale Kompromiss (1 x 12) aktuell leider noch der High-End-Kategorie vorbehalten.

Die vielen Trail-affinen Einfach-Antriebe zeigen bereits, dass die meisten Hersteller ihre All-Mountains spürbar mehr „auf Krawall gebürstet“ haben. Das betrifft die Geometrien mit immer flacheren Lenkwinkeln und längerem Reach/Radstand und erneut die Ausstattung. Per se ist das gut, denn die massiven Gabeln vom Typ Rock Shox Yari und Pike oder Fox 34, die wuchtigen Cockpits mit 760-mm-Lenkern, die breiten Felgen und die teils sehr großen Bremsscheiben schenken enorm viel Präzision, Fahrsicherheit und Vertrauen. Davon profitiert jeder, vom Novizen bis zum Könner!

Oder nehmen wir die Reifen: Mit Maxxis High Roller (BMC Speedfox 03 Trailcrew NX, Canyon Spectral AL 6.0 EX), Maxxis Minion (Merida One-Forty 700), Schwalbe Magic Mary (Ghost SL AMR X 5 AL) und Specialized Butcher haben einige Bikes zumindest am Vorderrad buchstäblich Klebstoff zu bieten – Pneus auf Enduro-Niveau sind das!

Unausweichlich: die Waage zeigt nach oben

Die Kehrseite der Medaille? Wenn alles breiter, stabiler, steifer wird, steigt das Gewicht. Wogen All-Mountains der 26"-Ära in dieser Preisklasse einst knapp über 13 Kilo, so belastet über die Hälfte der Testbikes die Waage jetzt mit mehr als 14 Kilo. Bei aller Liebe zum zünftigen Bergabballern: Das ist zu viel. Zumindest zu viel, um ein wirklich exzellenter Alleskönner zu sein, der sich auch am Marathonstart nicht in Grund und Boden schämen muss.

So sind es am Ende die leichteren MTB-Modelle, die zumindest unsere Stimmen bekommen haben: das in jeder Beziehung formidable Canyon Spectral AL 6.0 EX, das wunderbar ausgewogene Cube Stereo 140 HPA Race 27.5, das Trail-vernarrte Ghost SL AMR X 5 AL und das herrlich verspielte Specialized Stumpjumper FSR Comp.

Steifigkeiten und Gewichte der getesteten All-Mountains

Lenkkopfsteifigkeit: Eine hohe Lenkkopfsteifigkeit sorgt für ein präzises und direktes Handling, ein zu hartes Bike verzeiht jedoch Fehler weniger. Werte zwischen 60 und 100 Nm/° definiert MOUNTAINBIKE auch für schwere Fahrer als ideal. Alle Bikes schaffen den grünen Bereich, das Ghost SL AMR X 5 AL nur knapp – was in der Praxis aber nicht auffiel.

Foto: MOUNTAINBIKE

Gewichte: Die mit Präzisionswaagen ermittelten Werte zeigen, wie sich das Gewicht verteilt. Im Schnitt wiegen die Bikes 13,8 Kilo – eher viel, Canyon (Canyon Spectral AL 6.0 EX), Cube (Cube Stereo 140 HPA Race 27.5), Ghost (Ghost SL AMR X 5 AL), Giant (Giant Trance 1.5 LTD-B) und Specialized (Specialized Stumpjumper FSR Comp) unterbieten die 14-Kilo-Marke deutlich. Das Cube Stereo 140 HPA Race 27.5, sowie das Ghost SL AMR X 5 AL und das Specialized Stumpjumper FSR Comp waren schlauchlos aufgebaut, was deren teils geringes Laufradgewicht erklärt.

Foto: MOUNTAINBIKE
1 Inkl. Federbein, Steck- achse, Schaltauge, Zugführung, Flaschenhalterschrauben, fixer Rahmenschutz etc. 2 Inkl.Steckachse 3 Kompletter Laufradsatz, dazu Mantel, Schlauch (oder Milch+Ventile), ggf. Dichtband, Kassette und Bremsscheiben mit Verschraubung

Punktevergabe und Bewertung

Jedem MOUNTAINBIKE-Radtest liegt eine komplexe Punktematrix zugrunde. Um maximale Transparenz und Informationen zu bieten, gibt es die Ergebnistabelle bereits seit der letzten Saison zum Nachlesen.

Wie jedes Jahr haben wir die Kategorien 2017 auf die Entwicklungen der Saison angepasst. Außerdem bewerten wir die Bikes etwas strenger. Es wird für die Hersteller jetzt schwerer, eine „überragende“ Bewertung zu bekommen. Im Umkehrschluss bedeutet „gut“ dann, dass das Bike auch wirklich eben gut und kein Reinfall ist. Die Unterschiede zwischen einem „sehr guten“ Bike mit 220 Punkten und einem „sehr guten“ Rad mit 200 Punkten sind ebenfalls deutlicher bemerkbar. Modelle im unteren „sehr guten“ Bereich sind oft nicht so ausgewogen, dafür ist eine Charaktereigenschaft wie Downhill oder Vortriebseffizienz bisweilen stark ausgeprägt.

Die Höchstpunktzahl bleibt 250 – aufgeteilt auf zwölf Bereiche.

Ganz wichtig: Die jeweilige Gewichtung, wenn etwa für Downhill 20 oder aber 30 Punkte verteilt werden, passen wir auf das jeweilige Testfeld an. Nur so lassen sich Räder innerhalb der völlig unterschiedlichen Kategorien bewerten und vergleichen.

Der Fokus bei den All-Mountains liegt auf dem Handling und dem Fahrspaß, aber natürlich müssen diese Allrounder per Definition in allen Bereichen überzeugen. Rund die Hälfte der Punkte (Gewicht Bike, Gewicht Rahmen, Rahmensteifigkeit, Ausstattung, Verarbeitung/Sonstiges) resultieren aus Laborergebnissen und der Analyse unserer Techniker. Die anderen Punkte berechnen sich aus den (nicht abgebildeten) Einzelnoten der vier Testfahrer aus dem Praxistest.

Logo, das Bike mit den meisten Punkten erhält den Testsieg. Zudem vergeben wir einen zusätzlichen Tipp für das oder die Bike(s) mit einem herausragenden Preis-Leistungs-Verhältnis.

Foto: MOUNTAINBIKE
Punktevergabe und Benotung der Testbikes (für Großansicht auf die Grafik klicken)

So haben wir die All-Mountain-Bikes getestet

Auswahl: Das Testfeld entsteht in langen Diskussionen in der Redaktion. Wichtige Punkte sind dabei etwa das vorher festgelegte Preisfenster oder natürlich das Einsatzgebiet. Außerdem achten wir darauf, möglichst neue und/oder innovative Bikes aufzunehmen. Die Bikes werden bei den Herstellern angefordert, müssen drei Monate bei uns bleiben, ehe sie retourniert werden.

Für diesen Test fragten wir 19 Hersteller an, nur elf folgten unserem Ruf. Bulls, Carver, Lapierre, Kreidler, Norco und Trek sagten ab. Zumeist, weil ein Modellwechsel bevorsteht. Das Transalp Signature kam in falscher Größe (20"), das beliebte Radon Slide 150 passte durch seine 160-mm-Gabel nicht ins Testfeld.

Praxistest: Außer dem Testleiter sind bei jedem Biketest drei erfahrene Tester am Start. Jeder Tester fährt mit jedem Bike mindestens einmal über einen zur Kategorie passenden Kurs. Nach jeder Runde notieren wir Noten und Eindrücke in acht Bereichen – etwa in Sachen Vortriebseffizienz, Downhill oder Handling. Diese Bewertungen werden nach Ende des Praxistests besprochen und auf ungewöhnliche Abweichungen hin überprüft.

Den Test führten wir auf unserer bewährten Teststrecke bei Stuttgart sowie im Trailpark Sasbachwalden durch. Alle elf Bikes wurden bei konstanten, weichen, aber sehr gut fahrbaren Bedingungen gefahren.

Labortest: Unsere Techniker wiegen alle Bikes und zerlegen sie in ihre Einzelteile. Die Rahmen werden (wie Gabeln und Laufräder) einzeln gewogen, danach vermessen. Alle Gewichte sowie die Daten in den Geometrie-Skizzen sind keine Herstellerangaben, sondern von uns ermittelt. Die Parts werden notiert und mit den Herstellerangaben verglichen. Anschließend vermisst unser Laborchef Haider Knall und sein Team auf Prüfständen des renommierten EFBE-Instituts die Steifigkeiten. Diese Werte fließen wie Gewichte und Ausstattung in die Bewertung der Bikes mit ein.

Der Biketest im Detail

Das Spinnennetz weiter unten auf dieser Seite zeigt, wo die Stärken und Schwächen des Bikes in Relation zum Testumfeld liegen. Je größer der Ausschlag in eine der acht Richtungen, desto prägender der Charakterzug. Ein Allrounder weist rundum eine große Fläche, ein Spezialist eine verschobene Grafik auf. Die jeweiligen Eigenschaften wie Up- oder Downhill sind meist gegensätzlich angeordnet. So siehst du auf einen Blick, welches Profil das Bike aufweist.

Die Grafik unten zeigt ein eher abfahrtslastiges Bike mit potentem Fahrwerk – keinen wuseligen Sprinter. Und das versteckt sich hinter den Begriffen:

  • Uphill/Vortrieb: Passt die Traktion? Steigt die Front? Ist die Sitzposition im steilen Anstieg optimal? Ein niedriges Gewicht steigert den Ausschlag im Profil ebenso wie die Rollfreudigkeit von Laufrädern/Reifen.
  • Downhill: Ein sicheres Handling ist das A und O, damit ein Bike bergab performt. Dazu fließen die Federung sowie einige Parts wie das Cockpit, die Reifen oder die Bremsen in das Downhill-Profil ein.
  • Ausstattung: ... umfasst sämtliche Parts wie Schaltung, Antrieb, Federelemente, Laufräder, Reifen oder Anbauteile à la Sattel, Griffe, Cockpit. Aber wir bewerten auch gelungene und innovative Detaillösungen.
  • Rahmen/Fahrwerk: Ein top gemachter Rahmen mit geringem Gewicht, hohen Steifigkeiten und perfektem Fahrwerk bildet die Basis für das perfekte Bike.
  • Laufruhe: Hohe Spurtreue bringt Sicherheit bergab, kann unter Umständen aber ins Träge kippen, speziell wenn der Profiler einen geringen Ausschlag zeigt in Sachen Wendigkeit
  • Wendigkeit: Je wendiger ein Bike, desto agiler, spielerischer lässt es sich bewegen. Ein Ausschlag nur in diese Richtung (ohne hohen Ausschlag bei Laufruhe) lässt jedoch auf Nervosität schließen.
  • Robustheit: Liegt der Fokus bei Rahmen und Parts weniger auf Leichtbau, sondern auf Solidität, steigt der Ausschlag der Grafik. Der Gegenpart ist Leichtbau.
  • Geringes Gewicht: Niedriges Rahmen-, Parts- und Gesamtgewicht lassen auf ein spritziges, leichtfüßiges, in der Ebene wie im Uphill ausgezeichnetes Bike schließen.
Foto: MOUNTAINBIKE