Test: 7 MTB-Hardtails um 1000 Euro (2017)

Test: 7 Hardtails um 1000 Euro

MTB Hardtail-Test
Foto: Björn Hänssler

Wir haben sieben MTB-Hardtails aus der attraktiven Preisklasse um 1000 Euro getestet. Hier gibt’s die Ergebnisse aus dem Test. Vergleichbare Produkte im Test

Von uns getestet: 7 Hardtails um 1000 Euro

  • Hardtails sind grundsätzlich leichter, wartungsärmer, direkter und steifer als Fullys.
  • Die Zielgruppe von Hardtails sind tempoliebende Tourenbiker, die eher selten ins Gelände abbiegen und lieber auf Schotterpisten Gas geben.
  • Für gute Rolleigenschafen steht auch die Laufradgröße: Alle getesteten Hardtails kommen 29"-Rädern.
  • Die getesteten Hardtails wiegen alle über 12 Kilo. Alles, was deutlich über 13 Kilo geht, ist defnitiv zu viel.
  • Der Preisrahmen mit max. 1100 Euro ist eng gesteckt. Die Ausstattung der Hardtails im Test ist meist enttäuschend.

Das Testfeld im Überblick

Hersteller und Modell / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Bergamont Revox Edition Coral (2017) 999 Euro Gut
Bulls Copperhead 29 LT (2017) 999 Euro Gut
Fuji Nevada 29 1.0 LTD (2017) 1099 Euro Gut
Giant Fathom 2 (2017) 999 Euro Gut
Scott Scale 960 (2017) 1099 Euro Gut
Stevens Devil’s Trail (2017) 1099 Euro Gut
Conway MS 729 (2017) 999 Euro Befriedigend

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Hardtails sind die Ursprungsform des Mountainbikes. Hart, herzlich, gradlinig, cool. Wer Hardtail fährt, hat Style, beherrscht sein Mountainbike und lässt sich nicht von einem sanft federnden MTB-Fahrwerk über Stock und Stein tragen.

Meist aber sind es weit weniger die lebensanschaulichen Gründe, die Biker zu einem Hardtail greifen lassen. Gut, es sprechen auch technische Argumente für am Heck ungeferderte MTB-Modelle. Ein starrer Hinterbau kommt ohne Dämpfer und Lager aus, die pflegeintensiv sind.

Ein Hardtail spart zudem Gewicht. Vor allem aber spart es Geld! In der von uns für diesen Test gewählten Preisklasse um 1000 Euro wäre ein Vergleich mit einem gleich teuren Fully-Mountainbike aber unangebracht, denn für 1000 Euro sind keine auch nur im Ansatz akzeptablen Fullys am Markt. Die Devise, dass ein Hardtail für den gleichen Preis oft deutlich besser ausgestattet ist als ein Fully, kommt in dieser Preisklasse deshalb nicht zum Tragen.

Viel wichtiger ist somit die Frage, was man für 1000 Euro von einem Hardtail erwarten kann. Daraus lässt sich dann ableiten, für wen – von Neueinsteigern einmal abgesehen – ein preisgünstiges MTB-Hardtail überhaupt in Frage kommt beziehungsweise wer mit einem solchen Rad auf Dauer glücklich wird.

Jeder, der mit einem solchen Günstig-Bike liebäugelt, muss sich im Vorhinein darüber klar sein, dass er weder die vortriebsgierige Leichtigkeit lupenreiner Race-MTBs noch die Potenz einer High-Tech-Federgabel erwarten kann. Dass hier auch in Sachen Ausstattung mit Kompromissen gelebt werden muss, versteht sich ebenfalls von selbst.

So sieht das optimale Hardtail um 1000 Euro aus



Niedriger Preis setzt Ausstattung Grenzen

Die wichtigste und entscheidenste Komponente an einen Hardtail ist – neben dem Rahmen – die Federgabel. Nicht nur, weil es die teuerste ist, sondern auch, weil es die ist, die den größten Einfluss auf die Fahreigenschaften hat.

Parts wie Reifen, Bremsen, Anbauteile lassen sich je nach Verschleiß und Alter tauschen, Rahmen und Federgabel aber sind gesetzt. Ein bleischwerer, in seiner Geometrie bedenklicher Rahmen wird auch durch Tuning nicht besser, und der Austausch einer Gabel verschlingt meist schon fast die Hälfte des ursprünglichen Kaufpreises.

Kaufaspiranten sollten sich folglich die Frage stellen, ob sie ein akzeptables All-inclusive-Hardtail suchen oder aber eine Basis, die sie über kurz oder lang tunen wollen. Denn von der Antwort auf diese Frage hängt es ab, welches MTB-Modell im Test überhaupt in Frage kommt.

Die Gewichtstabelle unten zeigt genau, wie sich die Pfunde zusammenläppern, und in den Testberichten zu den einzelnen Bikes haben wir alle Ausstattungsdetails aufgelistet. Selbige geben auch Auskunft über die Performance der Mountainbikes im Test.

Stichwort Federgabel: Die Rock Shox Recon im Stevens Devil’s Trail ist die einzige Gabel, die einigermaßen geländetauglich ist. In allen anderen Hardtails federn Gabeln, mit denen man besser auf Schotterstraßen oder Trails bleibt, deren technische Höchstschwierigkeiten in ein paar kleinen Stufen besteht. Schnelle Schläge mögen diese Gabeln gar nicht.

Stichwort Bremsen: Wie schön, dass man für ca. 150 Euro etwa beim Rose-Versand eine taugliche Bremse samt 180-mm-Scheiben auf Deore-Niveau nachrüsten kann. Denn angesichts der schwachen Bremsen möchte man niemand raten, die Grenzen der Bikes auszureizen.

Stichwort Reifen: Die meisten Hersteller ziehen dünnwandige, günstige und zu schmale Varianten bekannter CC-Reifen wie dem Maxxis Ikon oder Schwalbes Racing Ralph auf. Rollfreudig sind die allemal. Grip, Traktion und ein guter Pannenschutz fehlen ihnen aber.

Stichwort Antrieb: Ein oft kruder Mix, der einen die Stirn runzeln lässt. Dass Bulls am Bulls Copperhead 29 LT und Fuji am Fuji Nevada 29 1.0 LTD einen SLX-Antrieb mit einem aktuellen XT-Schaltwerk (mit Kettenstabilisator) aufpimpen, darf in der Preisklasse schon als herausragend gelten. Gerne wird dabei quasi in die Mottenkiste gegriffen und es werden Vor-Vorjahres-Versionen gespect.

Aktueller Standard bei den Schaltungen ist 2 x 11. Den bieten nur das Bulls Copperhead 29 LT und das Fuji Nevada 29 1.0 LTD. Ansonsten dominieren 2 x 10 oder noch älter 3 x 10, immerhin durchgehend auf robustem Deore-oder sogar SLX-Niveau.

Steifigkeiten und Gewichte der getesteten Hardtails

Lenkkopfsteifigkeit: Eine hohe Lenkkopfsteifigkeit sorgt für ein direktes Handling, kann aber auch weniger fehlerverzeihend wirken. Werte von 60–100 Nm/° definiert MOUNTAINBIKE auch für schwere Fahrer als ausreichend. Alle Rahmen im Test erreichen teils exorbitant hohe Werte, können sich für leichte Fahrer fast unangenehm hart anfühlen.

Foto: MOUNTAINBIKE

Gewichte: Die mit Präzisionswaagen ermittelten Werte zeigen, wie sich das Gewicht verteilt. Im Schnitt wiegen die Bikes 13,4 Kilo – ganz schön viel. Leichtestes und leichtfüßigstes Einsteiger-Hardtail ist das Fuji Nevada 29 1.0 LTD. Das Bergamont Revox Edition Coral, das Scott Scale 960 und das Stevens Devil’s Trail schaffen es auch unter die 13-Kilo-Marke. Das Bulls Copperhead 29 LT und das Conway MS 729 sind viel zu schwer.

Foto: MOUNTAINBIKE
1 Inkl. Schaltauge, Zugführung, Flaschenhalterschrauben, fixer Rahmenschutz etc. 2 Inkl.Steckachse (nur Stevens) 3 Kompletter Laufradsatz, dazu Mantel, Schlauch (oder Milch+Ventile), ggf. Dichtband, Kassette und Bremsscheiben mit Verschraubung

Punktevergabe und Bewertung

Jedem MOUNTAINBIKE-Radtest liegt eine komplexe Punktematrix zugrunde. Um maximale Transparenz und Informationen zu bieten, gibt es die Ergebnistabelle bereits seit der letzten Saison zum Nachlesen.

Wie jedes Jahr haben wir die Kategorien 2017 auf die Entwicklungen der Saison angepasst. Außerdem bewerten wir die Bikes etwas strenger. Es wird für die Hersteller jetzt schwerer, eine „überragende“ Bewertung zu bekommen. Im Umkehrschluss bedeutet „gut“ dann, dass das Bike auch wirklich eben gut und kein Reinfall ist.

Die Unterschiede zwischen einem „sehr guten“ Bike mit 220 Punkten und einem „sehr guten“ Rad mit 200 Punkten sind ebenfalls deutlicher bemerkbar. Modelle im unteren „sehr guten“ Bereich sind oft nicht so ausgewogen, dafür ist eine Charaktereigenschaft wie Downhill oder Vortriebseffizienz bisweilen stark ausgeprägt. Die Höchstpunktzahl bleibt 250 – aufgeteilt auf zwölf Bereiche.

Ganz wichtig: Die Gewichtung, wenn etwa für Downhill 20 oder aber 30 Punkte verteilt werden, passen wir auf das Testfeld an. Nur so lassen sich Räder innerhalb der unterschiedlichen Kategorien bewerten und vergleichen. Bei den Tourenfullys und All-Mountains haben wir etwa Aspekte wie Handling und Downhill höher gewichtet als bei den Hardtails. Auch die Bewertung der Ausstattung haben wir angepasst: So ist etwa eine Rock-Shox-Recon-Gabel an einem 2300-All-Mountain grenzwertig, an einem 1000-Euro-Hardtail aber durchaus sehr gut.

In allen Kategorien resultieren rund die Hälfte der Punkte aus Laborergebnissen und der Analyse der Techniker. Die anderen Punkte berechnen sich aus den nicht abgebildeten Noten der Testfahrer aus dem Praxistest. Das punktbeste Bike erhält den Testsieg. Zudem vergeben wir einen Tipp für das oder die Bike(s) mit herausragendem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Foto: MOUNTAINBIKE
Punktevergabe und Bewertung der 7 Hardtails im Test (für Großanasicht auf Grafik klicken)

So haben wir die Hardtails getestet

Auswahl: Das Testfeld entsteht in langen Diskussionen der Redaktion. Wichtige Punkte sind dabei etwa das Preisfenster und natürlich das Einsatzgebiet. Dieses Mal haben wir den Gürtel eng geschnallt: maximal 1100 Euro für Hardtails und je 2300 Euro für Tourenfullys sowie All-Mountains. Das hat uns viele Abfuhren eingebracht!

Diese Marken sagten mindestens ein Bike ab, teils, weil der Nachfolger bereits parat steht, meist aber, weil die Hersteller in diesen eng kalkulierten Preisklassen den Vergleich scheuen: Carver, Centurion, Cube, Focus, Ghost, Kreidler, KTM, Merida, Scott, Specialized sagten eine oder mehrere Teilnahmen ab, waren andererseits aber dann doch erfolgreich dabei wie etwa Merida (Tourenfullys) und Scott (Hardtails).

Praxistest: Außer dem Testleiter sind bei jedem Biketest drei erfahrene Tester am Start. Jeder Tester fährt mit jedem Bike mindestens einmal über einen zur Kategorie passenden Rundkurs. Nach jeder Runde notieren die Fahrer ihre Noten und Eindrücke in acht Bereichen – etwa in Sachen Vortriebseffizienz, Downhill oder Handling. Diese Bewertungen zu allen Bikes werden nach Ende des Praxistests gemeinsam besprochen und auf ungewöhnliche Abweichungen hin überprüft.

Die drei natürlich voneinander getrennten Tests führten wir mit zwei Testteams auf unserer Teststrecke bei Stuttgart durch. Und das bei gleichbleibenden, teils schon frühlingshaften Bedingungen.

Labortest: Unsere Techniker wiegen alle Bikes und zerlegen sie in ihre Einzelteile. Die Rahmen werden (wie Gabeln und Laufräder) einzeln gewogen, danach vermessen. Alle Gewichte sowie die Daten in den Geometrie-Skizzen sind keine Herstellerangaben, sondern von uns ermittelt. Die Parts werden notiert und mit den Herstellerangaben verglichen. Anschließend vermessen unser Laborchef Haider Knall und sein Team auf Prüfständen des EFBE-Instituts die Steifigkeiten. Diese Werte fließen wie Gewichte und Ausstattung in die Bewertung der Bikes ein.

Der Hardtails-Test im Detail

Das Spinnennetz weiter unten auf dieser Seite zeigt, wo die Stärken und Schwächen des Bikes in Relation zum Testumfeld liegen. Je größer der Ausschlag in eine der acht Richtungen, desto prägender der Charakterzug. Ein Allrounder weist rundum eine große Fläche, ein Spezialist eine verschobene Grafik auf. Die jeweiligen Eigenschaften wie Up- oder Downhill sind meist gegensätzlich angeordnet. So siehst du auf einen Blick, welches Profil das Bike aufweist.

Die Grafik unten zeigt ein eher abfahrtslastiges Bike mit potentem Fahrwerk – keinen wuseligen Sprinter. Und das versteckt sich hinter den Begriffen:

  • Uphill/Vortrieb: Passt die Traktion? Steigt die Front? Ist die Sitzposition im steilen Anstieg optimal? Ein niedriges Gewicht steigert den Ausschlag im Profil ebenso wie die Rollfreudigkeit von Laufrädern/Reifen.
  • Downhill: Ein sicheres Handling ist das A und O, damit ein Bike bergab performt. Dazu fließen die Federung sowie einige Parts wie das Cockpit, die Reifen oder die Bremsen in das Downhill-Profil ein.
  • Ausstattung: ... umfasst sämtliche Parts wie Schaltung, Antrieb, Federelemente, Laufräder, Reifen oder Anbauteile à la Sattel, Griffe, Cockpit. Aber wir bewerten auch gelungene und innovative Detaillösungen.
  • Rahmen/Fahrwerk: Ein top gemachter Rahmen mit geringem Gewicht, hohen Steifigkeiten und perfektem Fahrwerk bildet die Basis für das perfekte Bike.
  • Laufruhe: Hohe Spurtreue bringt Sicherheit bergab, kann unter Umständen aber ins Träge kippen, speziell wenn der Profiler einen geringen Ausschlag zeigt in Sachen Wendigkeit.
  • Wendigkeit: Je wendiger ein Bike, desto agiler, spielerischer lässt es sich bewegen. Ein Ausschlag nur in diese Richtung (ohne hohen Ausschlag bei Laufruhe) lässt jedoch auf Nervosität schließen.
  • Robustheit: Liegt der Fokus bei Rahmen und Parts weniger auf Leichtbau, sondern auf Solidität, steigt der Ausschlag der Grafik. Der Gegenpart ist Leichtbau.
  • Geringes Gewicht: Niedriges Rahmen-, Parts- und Gesamtgewicht lassen auf ein spritziges, leichtfüßiges, in der Ebene wie im Uphill ausgezeichnetes Bike schließen.
Foto: MOUNTAINBIKE