Im Test: 12 E-MTB-Tourenfullys

Zwölf E-Mountainbike-Tourenfullys von 4399 Euro bis 5699 Euro

E-Tourenfully Test 2018
Foto: Benjamin Hahn

Tourenfullys sind ehrliche Mountainbikes. Sie müssen einfach überzeugen, indem sie einfach funktionieren. Doch sind die aktuellen E-Mountainbikes auch ehrliche und treue Begleiter? Um das herauszufinden, haben wir 12 E-Tourer um 5000 Euro getestet. Vergleichbare Produkte im Test

Das Testfeld im Überblick

Hersteller und Modell / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Scott E-Spark 720 (2018) 4999 Euro Überragend/Testsieger
Merida eOne-Twenty 800 (2018) 4399 Euro Sehr gut / Tipp-Preis-Leistung
BH Rebel Lynx 5.5 27,5 " Plus (2018) 4600 Euro Sehr gut
Cannondale Moterra (2018) 5699 Euro Sehr gut
Conway eWME 427 (2018) 4800 Euro Sehr gut
Flyer Uproc 4 8.70 (2018) 5488 Euro Sehr gut
Giant Full-E 0 Pro (2018) 5000 Euro Sehr gut
Haro Shift I/O 9 (2018) 4699 Euro Sehr gut
Rotwild R.C + FS Core (2018) 5298 Euro Sehr gut
Centurion Numinis E R2500 (2018) 4799 Euro Gut
Haibike Sduro Fullseven 9.0 (2018) 4799 Euro Gut
Trek Powerfly 7 FS Plus (2018) 4999 Euro Gut

Loading  
Foto: Benjamin Hahn
Völlig unterschiedlich: Die Akku-Integrationen etwa vom Haibike Fullseven und vom Cannondale Moterra SE.

kurz und knapp:

  • 12 E-MTB-Tourenfullys zwischen 120 und 150 mm Federweg im Test
  • E-Motoren von Bosch, Brose, Panasonic, Shimano und Yamaha im Testfeld
  • 27,5-Zoll-E-Mountainbikes in normaler Breite + Plus Format vertreten
  • Preisklasse von 4400 Euro bis 5700 Euro

Ehrlicher geht es kaum. Wenig Schnickschnack, auf Vortrieb ausgelegt und dennoch komfortabel – so las sich jahrelang das Lastenheft für klassische Tourenfullys. Bei den E-Tourern kommt jetzt ein Haufen Technik dazu. Motor, Akku, Verkabelung, Display, Bedienteil – was die Sache natürlich etwas komplizierter macht.

Foto: Benjamin Hahn
Fahren, schreiben, schrauben, fahren – der Testablauf ist immer gleich. Den E-Bikes darf dabei nie der Saft ausgehen.

Sollen sich damit aber auch die Anforderungen an ein Tourenfully generell verändern? Nein, sagen wir. E-Tourer müssen genauso einfach, effizient und komfortabel funktionieren wie ihre Pendants ohne Motor. Es geht schließlich – so oder so – darum, lange und ausgiebige Touren zu fahren, die Natur zu erleben und dabei möglichst wenig über Motor-Modus, Fahrwerk-Setup oder Reifenluftdruck nachdenken zu müssen.

12 E-Bikes mit Federwegen von 120 bis 150 mm haben wir zu diesem Test eingeladen – im Preisbereich von ca. 5000 Euro. Viel Geld einerseits, andererseits gibt es in dieser Preisklasse derzeit am meisten E-Bike fürs Geld. Darunter leidet die Ausstattung bisweilen, darüber ist der Benefit für den Aufpreis meist zu gering. Unser Testprozedere: umfangreiche Messungen, ausgiebige Testfahrten.

Reichweitenmessungen führen wir jedoch nicht mehr durch, weil erstens die Antriebe und Akkus immer leistungsstärker werden und zweitens die Reichweite von viel zu vielen individuellen Faktoren beeinflusst wird – wie etwa von Fahrstil, Trittfrequenz, Fahrergewicht, Gepäck, Außentemperatur oder Untergrund.

Foto: Benjamin Hahn
Der Luftdruck muss stimmen. Generell fiel im Test auf, dass die Rock-Shox-Federelemente sich relativ straff anfühlen.

In diesem Vergleichstest fiel uns auf, dass viele Hersteller ihre E-Tourer so konzipieren, dass sie sich weg vom klassischen Tourenfully und hin zum Trail-orientierten Spaßbike bewegen. Einsatzbereiche, Stärken und Schwächen sollte jeder Biker vor dem Kauf deshalb genau studieren. Und am Ende geht natürlich nichts über eine ausgiebige Testfahrt und Beratung beim Händler. Bei den einzelnen Produkten findest du detaillierte Testbriefe zu jedem Rad, resultierend aus den Testergebnissen. Eines schon vorab: Das klassischste, effizienteste Tourenfully ist das Rotwild R.C+ FS Core. Das beste Gesamtpaket liefert Scott mit dem E-Spark und holt sich damit den Testsieg. Und das beste Preis-Leistungs-Verhältnis kriegst du beim eOne-Twenty von Merida. Ganz ehrlich!

Das ABC des E-Mountainbikes

Fazit

Tourenfullys sollen komfortabel, effizient und simpel sein. Die 12 Bikes um 5000 Euro zeigten dabei viele Unterschiede im Detail. Eines hatten sie aber gemeinsam: Sie machten beim Testen verdammt viel Spaß!

Das Testfeld im Video

So testen wir E-Mountainbikes

Foto: Benjamin Hahn
Labor-Leiter Haider Knall vermisst jedes Bike mit einem speziellen Geometrien-Messstand.

E-MTBs müssen bei uns – wie normale Bikes auch - einen umfangreichen Labor- und Praxistest durchlaufen. Im Labor nehmen wir alle relevanten Daten auf, bevor die Bikes auf die Trails gelassen werden. Heraus kommt ein objektives, transparentes und für jeden nachvollziehbares Testergebnis.

Schwerpunkt und Gewichtsverteilung

?In unserem hauseigenen Labor wird die Gewichtsverteilung auf Vorder- und Hinterrad gemessen sowie die Höhe des Schwerpunkts ermittelt. Über eine einfache Messung und anschließende Berechnung kann die Verteilung in Prozent gezeigt werden. Zudem wird ermittelt, wie hoch der Schwerpunkt liegt. Diese Werte fließen nicht direkt ins Ergebnis ein, sondern dienen den Testfahrern als Korrespondenzwert. Warum diese Werte bei E-MTBs wichtig sind? E-Bikes wiegen über 20 kg, dadurch wird das Fahrverhalten deutlich beeinflusst. Ein hoher Schwerpunkt kann sich spürbar negativ auf die Wendigkeit des Bikes auswirken. Je tiefer dagegen der Schwerpunkt, desto besser lässt sich ein Bike in Kurven legen. Die Verteilung vom Gewicht auf Vorder- und Hinterrad gibt zudem zusätzlich Hinweise darauf, ob das Rad eher front- oder hecklastig steuert. Die Werte in Prozent und Millimeter findest du in der Tabelle unten.

Gewichte, Geometrie und Ausstattung

Wie üblich in einem Vergleichstest von MOUNTAINBIKE werden die Geometrien in einem digitalen Vermessungsprüfstand ermittelt. Die Werte in den Geometrietabellen sind also tatsächliche Daten und keine Herstellerangaben. Zudem notierte unser Laborleiter Haider Knall die Ausstattung und ermittelte Gewichte von Komplettbike und Akku. Alle Angaben befinden sich in den Testbriefen.

Praxistest

Wichtigster Bestandteil eines jeden Biketests ist der Praxistest. Jeweils drei Tester mit unterschiedlichen Fitnesslevels und Vorlieben fuhren die 12 Bikes. Unsere Teststrecke beinhaltet steile Anstiege, ebene Forststraßen sowie kurvige Singletrails mit steilen Abfahrten. Nach jeder Fahrt notierte jeder Fahrer seine Eindrücke und benotete Einzelpunkte wie etwa Geometrie, Hinterbau oder den Antrieb. Alle Noten und Werte wurden in einer Excel-Tabelle zusammengeführt und entsprechend gewichtet.

Punktevergabe und Benotung

Jedem MOUNTAINBIKE-Radtest liegt eine komplexe Punktematrix zugrunde. Um maximale Transparenz und Informationen zu bieten, gibt es die Ergebnistabelle bereits seit der letzten Saison zum Nachlesen. Wie jedes Jahr haben wir die Kategorien 2018 auf die Entwicklungen der Saison angepasst. Für die E-MTBs gibt es eine eigene Punktematrix: Motorleistung und -charakteristik ersetzen die Punkte Lenkkopfsteifigkeit und Rahmengewicht, die bei den motorisierten Bikes eine untergeordnete Rolle spielen. Auch die Gewichtungen haben wir entsprechend angepasst. Gleich ist für beide Kategorien die Maximalpunktzahl 250. Die Höchstnote ist „überragend“. Eine Bewertung, die nur die ganz wenigen Bikes bekommen, die quasi perfekt sind. Im Umkehrschluss bedeutet „gut“, dass das Bike auch wirklich gut und kein Reinfall ist. Die Unterschiede zwischen einem „sehr guten“ Bike mit 220 Punkten und einem „sehr guten“ Rad mit 200 Punkten sind ebenfalls deutlich bemerkbar. Modelle im unteren sehr guten Bereich sind oft nicht so ausgewogen oder zeigen leichte Schwächen, dafür ist eine Charaktereigenschaft wie Downhill oder Vortriebseffizienz bisweilen stark ausgeprägt.

Ganz wichtig: Die jeweilige Gewichtung, wenn etwa für Downhill 20 oder aber 30 Punkte verteilt werden, passen wir auf das Testfeld an. Nur so lassen sich Räder innerhalb der unterschiedlichen Kategorien bewerten und vergleichen. Der Fokus bei den Tourenbikes liegt auf dem Handling und dem Fahrspaß, aber natürlich müssen diese Allrounder per Definition in allen Bereichen überzeugen. Rund die Hälfte der Punkte (Gewicht[e], Ausstattung, Verarbeitung/Sonstiges) resultieren aus Laborergebnissen und der Analyse unserer Techniker. Die anderen Punkte berechnen sich aus den (nicht abgebildeten) Einzelnoten der drei Testfahrer aus dem Praxistest. Klar, das Bike mit den meisten Punkten erhält den Testsieg. Zudem vergeben wir einen zusätzlichen Tipp für das (oder die) Bike(s) mit einem herausragenden Preis-Leistungs-Verhältnis.

Das Spinnennetz in unseren Testbriefen zeigt, wo die Stärken und Schwächen des Bikes in Relation zum Testumfeld liegen. Je größer der Ausschlag in eine der acht Richtungen, desto prägender der Charakterzug. Ein Allrounder weist rundum eine große Fläche, ein Spezialist eine verschobene Grafik auf. Die jeweiligen Eigenschaften wie Up- oder Downhill sind meist gegensätzlich angeordnet. So siehst du auf einen Blick, welches Profil das Bike aufweist. Die Beispielgrafik zeigt ein abfahrtslastiges E-Bike mit potentem Fahrwerk und schwachem Motor sowie sehr hohem Gewicht.