Bike-Fitting – so sitzt du perfekt auf deinem Bike

Bike-Fitting: Endlich ohne Beschwerden biken

Bikefitting
Foto: Sabrina Kral

Mehr Leistung, weniger Beschwerden oder einfach mehr Komfort. Ein Besuch beim Bike-Fitter kostet kein Vermögen und erzielt durch Sitzpositionsanalyse die optimale Anpassung des Bikes an den Körper. Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was ist Bike-Fitting und wie läuft es ab?

Ziel eines Bike-Fittings ist, das Rad optimal auf den Körper des Bikers einzustellen. Bike-Fittings gibt es in vielen Ausprägungen und von diversen Anbietern. Doch nicht alle werden ihrer Aufgabe auch gerecht. Im simpelsten Fall wird das Bike ein einziges Mal auf den Körper eingestellt, womit das „Fitting“ als beendet betrachtet wird. Dieser Service, den auch viele Bike-Shops anbieten, ist jedoch ziemlich ungenau und führt nur selten zum optimalen Ergebnis. Ein professionelles Bike-Fitting, wie es spezialisierte Fitting-Labore anbieten, ist hingegen ein mehrstufiger und aufwendiger Prozess.

Im ersten Schritt macht sich der Bike-Fitter ein Bild vom Biker. Daten zu Alter, Geschlecht, Gewicht, Jahreskilometerleistung und Fahrstil werden erhoben. Anschließend folgt eine umfassende Protokollierung der Beschwerden, die in direkter oder loser Verbindung mit dem Biken auftreten (Anamnese). Alternativ erfolgen diese ersten Schritte schon per Online-Fragebogen vor dem eigentlichen Fitting-Termin.

Durch verschiedene Tests wird zudem der körperliche Zustand unter die Lupe genommen. Muskuläre Verkürzungen, Gelenkblockaden, die allgemeine Elastizität des Bewegungsapparats, Fehlstellungen, Form und Proportionen der Gliedmaßen sind nur einige Aspekte, die bei der Begutachtung des Körpers eine wichtige Rolle spielen. Zur Bewegungsanalyse und Begutachtung der Sitzposition wird das Bike nun in einen fixierten Rollentrainer, oft mit Wattmesssystem, eingespannt. Der Biker muss meist verschiedene, de nierte Widerstände treten. Einige, aber nicht alle Anbieter unterstützen ihre Datensammlung zudem mit Messungen anhand von Druckmessfolien auf dem Sattel und im Schuh, per Laser, oder le- gen Winkelmesser und Orientierungslinien über aufgezeichnete Bewegungsbilder. So erhält der Bike-Fitter objektive Informationen über Werte, die per Augenmaß oder anhand von Gefühlsaussagen des Bikers schwer zu interpretieren sind. Zudem hilft es dem Fitting-Experten, die Anpassungen des Bikes und der Sitzposition für den Kunden leicht verständlich zu erläutern und Verbesserungen sichtbar zu machen. Doch Messungen sind nicht alles.

Vielfaches Auf- und Absteigen, detaillierte Gespräche über das Empfinden von ein paar Millimetern Korrektur an Sattelneigung, -höhe und -versatz (der horizontalen Position des Sattels) gehören zu einem ausführlichen Bike- Fitting. Oft erfolgt die Anpassung schrittweise, denn eine Korrektur der Sattelhöhe erfordert fast immer auch eine Korrektur des horizontalen Versatzes. Daraufhin ist wieder das Feedback des Bikers nötig. Und so weiter. Am Ende dieser Prozedur von zwei bis drei Stunden Dauer ist eine deutlich optimierte Haltung auf dem Bike meist erreicht. Oder die ein oder andere bittere Wahrheit wurde erkannt. Zum Beispiel: „Das Bike ist zu klein!“ Zum Abschluss erhält der Kunde eine Mappe, in der die Messungen und sämtliche Anpassungen protokolliert wurden.

Ich habe keine Probleme beim Biken. Warum brauche ich ein Fitting?

Wer die allergröbsten Einstellungsfehler vermeidet, wird aus einem umfangreichen Pro-Fitting eher geringen Nutzen ziehen – solange er nur gelegentlich aufs Bike steigt. Doch ab einer Jahreskilometerleistung von über 500 km (also nicht viel!) bzw. Ausfahrten mit mehreren Stunden im Sattel ist ein Fitting auch ohne Beschwerden sinnvoll. Denn Probleme wie Gelenkverschleiß aufgrund einer falschen Cleat-Position können auch erst nach einigen Jahren auftreten – und haben dann bereits irreversible Schäden erzeugt. Zudem steigert eine optimierte Sitzposition die Leistungsfähigkeit und den Komfort.

Foto: Sabrina Kral
Werte jenseits der Faustformeln: Hüft-/Beinvermessung per Laser.

Wer über Sitzbeschwerden, Rückenschmerzen, einschlafende Hände und ähnliche Probleme klagt, sollte ebenfalls einen Bike-Fitter aufsuchen, statt haufenweise Sättel, Griffe, Lenker oder Schuhe zu kaufen. Denn oft beheben Korrekturen von Sattelhöhe, Sitzlänge und Cleat-Position solche Beschwerden schneller. Auch bieten viele Bike-Fitter Komponenten zur Anpassung des Bikes an und ersparen so Fehlkäufe. Apropos Fehlkauf: Immer mehr Biker lassen sich vom Fitting-Labor bereits vor dem Kauf eines hochwertigen Bikes vermessen und erfahren so die für sie passende Rahmenhöhe des gewünschten Modells.

Was kostet ein Fitting?

Wer zum professionellen Bike-Fitter geht, hat meist die Wahl zwischen drei bis fünf verschiedenen Fittings. Preislich von knapp 100 bis 350 Euro gestaffelt, ist die günstigste Leistung oft eine Körpervermessung mit Radkauf-Empfehlung. Wer eine Sitzpositionsanalyse mit umfassender Begutachtung der individuellen, körperlichen Besonderheiten und Beschwerden mit anschließender Radeinstellung wünscht, muss etwa 150 bis 220 Euro ausgeben. Teurere Varianten beinhalten etwa die Erstellung eines Trainingsplans. Eine Stunde Fitting-Leistung sollte etwa 100 Euro kosten, bei günstigeren Angeboten kann die Qualität des Fittings leiden. Eventuell können Kosten für Zubehör anfallen. Seriöse Fitter arbeiten, sofern möglich, aber mit den vorhandenen Komponenten.

Kann ich das Fitting-Ergebnis auf verschiedene Bikes übertragen?

In groben Zügen ist dies möglich, das Fitting-Ergebnis wird jedoch bei verschiedenen Bike-Typen anders ausfallen. Denn die gestreckte Geometrie eines Race-Hardtails wird auch in einer entsprechend nach vorn geneigten Sitzposition resultieren. Und mit dieser sogenannten Vorwärts-Rotation des Oberkörpers verändern sich Oberkörperwinkel, Tretwinkel, Armhaltung, Hüftposition und Rückenstreckung im Vergleich zu einer entspannteren Haltung, wie man sie etwa auf einem All-Mountain-Bike einnimmt. Da die Anpassung an eine so veränderte Sitzhaltung ebenfalls Erfahrung und ein geschultes Auge erfordert, bieten manche Fitting- Labore die Einstellung eines zweiten Bikes zu einem günstigeren Preis an.

Streng genommen erfordert bereits die Montage eines neuen Sattelmodells eine Anpassung der Sitzposition, denn bei unterschiedlichen Sattelmodellen variiert beispielsweise der genutzte Sitzbereich eines Sattels. Ob dieser Wert per Druckfolie gemessen oder für den Bike-Fitter durch ein geschultes Auge sichtbar wird, ist zweitrangig. Denn schon ein paar Millimeter Korrektur können Schmerzen beheben. Und das gilt auch für Lenker, Vorbau, Griffe und die Cleat-Position. Um das Bike aber etwa nach dem Zerlegen für Transport und Reinigung selbständig wieder perfekt einstellen zu können, händigt der Fitter dem Kunden ein Datenblatt mit den Fitting-Daten aus.

Gibt es für meinen Fahrertyp ein spezielles Fitting?

Ja, denn seit einigen Jahren werden Bike-Fitter nicht nur von Rennradfahrern, Triathleten und Cross-Country-Racern gebucht. Auch unter Otto-Normal-Tourenfahrern, Enduro-Bikern und sogar E-Bikern spricht sich herum, dass ein perfekt individuell eingestelltes Bike mehr Leistung, Komfort und weniger Schmerzen bereitet. Je abfahrtsorientierter der Biker auf seinem Bike sitzt, desto aufrechter die Sitzposition. Dies geht jedoch nicht zwangsläufig mit einem kurzen Vorbau, breitem Lenker und weit nach hinten geschobenem Sattel einher, denn die Geometrie des Bikes wird von einem erfahrenen Fitter immer mit einbezogen. Dennoch variiert die Position des Sattels zum Tretlager zwischen den Extrempositionen CC und Enduro geringfügiger als die Sitzlänge. Rucksackträger aufgepasst! Um ein akkurates Fitting zu erzielen, solltest du deine Standard-Ausrüstung verwenden. Das gilt auch für den Rucksack mit voller Trinkblase. Denn das Gewicht auf Rücken und Handgelenken beeinusst die Haltung auf dem Bike immens.

Wie soll ich mich auf ein Fitting vorbereiten?

Beginne einige Wochen vor dem Termin, die Probleme genau zu lokalisieren. Höre beim Biken auf deinen Körper. Wann treten Beschwerden auf, nur nach langen oder auch kurzen Ausfahrten und wo genau? Möchtest du deine Leistung optimieren, formuliere deine Ziele möglichst genau. Besuche den Fitter unbedingt mit deiner zuletzt gefahrenen Einstellung. So ist es leichter, die Ursachen für Beschwerden herauszufinden. Da im wuchernden Laufrad- und Achsstandard-Dschungel immer neue Maße und Konstruktionen auftauchen, solltest du dem Fitter dein verwendetes Achsmaß mitteilen, denn das Bike wird vor Ort meist in einem Rollentrainer fixiert. Außerdem: Putzen! Verdreckte Komponenten, Cleats und Laufräder kosten beim Einstellen Zeit und Nerven.

Woran erkenne ich einen guten Fitter?

Der berufliche Hintergrund und die Ausbildung eines Bike-Fitters ist nicht vorgegeben. Jedermann kann sich als Bike-Fitter bezeichnen und Fittings anbieten, vom Sportwissenschaftler zum radsportbegeisterten Physiotherapeuten ist hier alles vertreten. Daher lebt dieser Berufszweig von der Mund-zu-Mund-Propaganda zufriedener Kunden und der individuellen Erfahrung des Bike-Fitters.

Foto: Sabrina Kral
Ein guter Bike-Fitter sollte die Veränderungen am Bike für den Kunden nachvollziehbar erklären können.

Ein guter Bike-Fitter wird seine Einstellungsschritte erklären und für dich nachvollziehbar erläutern. Daher solltest du Fragen nicht zurückhalten. Beachte jedoch, dass dein Fitting je nach gebuchtem Umfang, zeitliche Grenzen hat. Ein guter Fitter wird hingegen immer wieder nachfragen, wie sich die Einstellungsschritte auf dein Gefühl für das Bike auswirken, und Feedback einfordern. Und nicht zuletzt wird ein guter Bike-Fitter seinen Preis und einen vollen Terminkalender haben.

Bikefitting bei Gebiomized

Die Münsteraner vertreiben Fitting-Tools, bieten zudem Bike-Fittings in drei Vertiefungsstufen an. Ihre Druckmessfolien-Technik dient zur Visualisierung der Druckverhältnisse an Händen, Füßen und Po – den Kontaktstellen zum Bike.

Bikefitting bei Komsport

Komsport bietet hochindividuelle Fittings unter orthopädischen Gesichtspunkten. Bike-Einstellung ist hier Erfahrungssache, Messinstrumente kommen kaum zum Einsatz.

Bikefitting bei Radlabor

Ob in einem der Radlabore oder beim Smartfit-Radhändler – das Radlabor-Fitting kombiniert standardisierte Messmethoden und individuelle Problemanalyse.

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