Krafttraining für den Rumpf - Sieben Top-Übungen mit Weltmeister Nino Schurter und Florian Vogel

Swiss Power

Stramme Beine allein bringen nichts. Biker brauchen auch eine starke Rumpfmuskulatur – so wie das CC-Weltmeister-Duo Nino Schurter und Florian Vogel.

Jedes Jahr bei der WM wiederholt sich das gleiche, frustrierende Schauspiel für so einige Biker anderer Nationen: Medaillen schimmern im Blitzlicht-Gewitter der Fotografen, über beide Backen strahlen zumeist in rot-weiße oder in Regenbogen-Farben gekleidete Athleten von den Podien herab.

Ob sie Sauser, Näf, Vogel oder Schurter heißen: Schweizer Bike-Profis sind eine Macht, gerade die der Ausdauerfraktion. Was machen die Eidgenossen nur anders? Die gute Bergluft zwischen Genfer- und Bodensee kann es alleine kaum sein. "Trainingsfleiß, viel Freeriden und Spaß am Biken." So einfach beschrieb Marathon-Weltmeister Ralph Näf vor zwei Jahren das Rezept für den scheinbar sicheren Weg zu Gold.

Aus Nino Schurter ist kaum mehr herauszukitzeln. Die Bescheidenheit der Schweizer: typisch. Sie erklärt aber kaum die Dominanz des 23-Jährigen. Denn die Erfolge in Schurters noch jungem Leben sind schwindelerregend: Vier WM-Titel – den letzten Anfang September in Australien – hat er bereits eingefahren, und so manches Regenbogenjersey wird er noch holen, alles nur eine Frage der Zeit.

Bike-Legende Thomas Frischknecht, nach 20-jähriger Karriere inzwischen Scott-Teammanager von Schurter und Florian Vogel, hat eine Vermutung: "Eine Sache machen wir tatsächlich anders: Kraft- und Koordinationstraining haben einen sehr hohen Stellenwert. Zu meiner Zeit war das noch kein Thema, aber heute kommen Top­athleten nicht drum herum."

Die Kraft also. Lange konsequent verschmäht, genießt sie so etwas wie eine Renaissance. "Auf dem Bike ist die Maximalkraft in den Beinen für die vielen steilen und technischen Anstiege entscheidend. Diese kann man nur im Kraftraum trainieren. Kraftübungen auf dem Bike gehen hingegen mehr in Richtung Kraftausdauer", erklärt Schurter. Ganze 20 Prozent seines kompletten Trainingsumfangs verwendet der Champion auf den Kraftraum.

20 Prozent? Stellen Sie sich vor, auf vier Ausfahrten kommt eine Einheit im Kraftstudio. Unvorstellbar? "In dieser Hinsicht ist Nino Minimalist: Ich kenne keinen Profi, der mit weniger Zeit auf dem Bike solche Erfolge gefeiert hat", meint Frischi.

Doch Kraft ist nicht gleich Kraft: "Die dicksten Muskeln bringen nichts, wenn sie nicht koordiniert sind. Wichtig ist die intra- und intermuskuläre Koordination, also das Zusammenspiel der Nerven und Fasern eines einzelnen Muskels und das der größeren Muskelgruppen bei speziellen Bewegungen", sagt Coach Nicolas Siegenthaler.

So muss etwa der vordere Oberschenkelmuskel mit dem hinteren einen gewichtigen, das heißt gut ausgeprägten Gegenpart haben – ein Muskel von vielen, der bei Bikern geschwächt ist. Aber: Muskuläre Disbalancen, die Biker auch oft an Bauch und Rumpf aufweisen, lassen sich beheben – mit dem Training, das die Scott-Athleten absolvieren.