Technik verständlich gemacht: Freilauf+Nabenkörper im Detail

Lukas erklärt: So funktioniert ein Freilauf

So funktioniert ein Fahrrad Freilauf - Lukas erklärt
Foto: Benjamin Hahn Fotografie

Ein Bauteil am Rad, ohne das Mountainbiken unmöglich wäre. Nur, wie funktioniert eigentlich ein Freilauf?

Eine Highspeed-Abfahrt, bei der wir perma nent strampeln sollen? Nein danke. Dem Freilauf haben wir zu verdanken, dass wir dieBeine auch mal „hochnehmen“ können, also nicht immer treten müssen, wenn sich das Laufrad bewegt. Doch wie funktioniert ein Freilauf eigentlich?

Letztendlich trennt er den Antrieb von der rotierenden Nabe. Im Detail werkeln bei den meisten Freiläufen kleine Sperrklinken, die sich gegen die Rotationsrichtung des Laufrads umlegen lassen. Gibt man Zug auf die Kette, verzahnt sich die Sperrklinke wie ein kleiner Widerhaken in die Rasterung der Nabe. Beendet man die Trittbewegung und das Laufrad dreht sich weiter, gleitet die Sperrklinke von Rasterung zu Rasterung, ohne zu fassen. Neben dem Sperrklinkensystem ist auch der etwas aufwendigere Zahnscheiben-Freilauf verbreitet. Zwei Scheiben mit feiner Verzahnung werden durch eine Feder gegeneinandergepresst.

Wird Kraft auf den Antrieb gegeben, fassen die Zähne ineinander und geben die Kraft an die Nabe des Laufrades weiter. Im Leerlauf bewegen sich die Zahnscheiben gegeneinander. Wie auch bei der Sperrklinke entsteht dann beim Überspringen der Rasterung das typische Nabenklicken. Bei beiden Systemen gilt: Je höher die Federspannung (Klinkenfeder oder Scheiben-Spannungsfeder) und je größer der Weg, den die Sperrklinke oder das Zahnscheibenrad beim Überspringen zurücklegt, desto
lauter das Klicken.

Liebe geht durchs Ohr

Und dieser Sound macht süchtig. Viele Biker lieben ihn. Die Vorlieben gehen auseinander: Einige sind Fans von flüsterleisen Naben, auch gibt es aber Liebhaber von regelrechten Bienenschwärmen. Nicht umsonst wird die legendäre Chris-King-Nabe „Angry Bee“ genannt. Sogar Soundtuning ist möglich. Damit der Freilauf lauter wird, entfernen einige Biker das Fett aus der Nabe oder ersetzen es durch Öl. Andere geben für einen dezenteren Auftritt Fett hinzu. Hersteller sehen diese Modifikationen nicht gern: Durch fehlendes Fett steigt der
Verschleiß.

Video: So funktioniert ein Freilauf

Standardwirrwarr

Zum Freilauf gehört auch der Freilaufkörper, auf den die Kassette gesteckt und verschraubt wird. Mit Beginn der MTB-Zeitrechnung wurden die Freilaufkörper nahezu ausschließlich von Shimano entwickelt, erst für 6-fach-, dann für 7-fach-Kasseten. Seit Einführung der ersten XTR-Gruppe (8-fach) im Jahr 1992 blieb der Shimano-Freilauf dann quasi unverändert. Heute nimmt er fast alle 11-fach- und einige 12-fach-Kassetten auf. Was nicht passt? Alle Kassetten, die für Srams XD-Freilauf gebaut sind. Diesen brachten die US-Amerikaner 2012 zusammen mit ihrer ersten 1x11-Schaltung auf den Markt. Der Grund: Auf den Shimano-Körper passt maximal ein 11er-Ritzel, während der abgestuft geformte XD-Standard ein kleines 10er- oder 9er-Ritzel packt.

Mit der Vorstellung der Shimano XTR M9100 2018, der ersten 12-fach-Schaltung der Japaner, kommt nun ein dritter Freilaufkörper-Standard hinzu: Micro-Spline. Auch Micro-Spline kann ein 10er-Ritzel aufnehmen, ist aber – auch durch die Lieferprobleme der neuen XTR – aktuell nur in homöopathischen Mengen und nur von wenigen Herstellern am Markt zu finden.