Mountainbikes im Test: 7 Trail-/ Allround-Hardtails (2019)

Sieben Trail-Hardtails im Test

Foto: Benjamin Hahn Fotografie

Mehr Spaß denn je! Trail-Hardtails liegen im Trend, sie sind wartungarm und verbinden viel Komfort dank breiter Reifen mit modernen Geometrien – ideal, um jetzt die Trails zu rocken. Wir haben sieben preiswerte Bikes getestet. Vergleichbare Produkte im Test

Das Testfeld im Überblick

Hersteller und Modell / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Cube Reaction TM Pro (2019) 1399 Euro Gut
Drössiger Hardtrail 1 (2019) 1599 Euro Gut
Ghost Asket 4.9 (2019) 1599 Euro Gut
Norco Fluid HT 1 (2019) 1599 Euro Gut
NS Bikes Eccentric Alu 29 (2019) 1699 Euro Sehr gut
Radon Cragger 7.9 (2019) 1299 Euro Sehr gut
Salsa Timberjack Deore 27,5+ (2019) 1299 Euro Gut

Obwohl mit ihnen unser Sport seinen Anfang nahm, führten „spaß- betonte“ Hardtails bislang eher ein Nischendasein. Wenn schon Hardtail, dann ein schnelles, leichtes für Marathon & Co., lautet seit jeher das Motto. Breitbandhersteller verstecken eher abfahrtslastige „Waldmaschinen“ dezent in den hinteren Ecken der Läden oder überlassen das Feld gleich Exoten wie Cotic, Surly oder Salsa. Seit Ghost mit dem Asket vor zwei Jahren ein formidables und günstiges Baller-Bike mit Starrheck auf den europäischen Markt brachte und einige Hersteller zum Nachziehen anregte, erlebt die nun attraktiv Trail-Hardtail getaufte Kategorie in unseren Wäldern jedoch einen Aufschwung – zu Recht.
In zwei Punkten sind die Trail-Hardtails sogar Fullys überlegen. Sie sind für relativ niedrige Preise schon mit ordentlicher Ausstattung zu haben und wartungsärmer. Wo am Hinterbau Gelenke, Lager und Dämpfer fehlen, fällt bei Schmuddelwetter auch nichts dem Schmutz zum Opfer. Wer ein Trail-Hardtail fährt, ist also auch für den kommenden Winter perfekt gerüstet.

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Mehr harter Spaß dank neuer Laufradgrößen

Foto: Benjamin Hahn Fotografie
Passend zum Thema Winter-Bikes: Den Trail-Hardtail-Test sind wir ausnahmsweise mit Flatpedalen statt Klickis gefahren.

Generell machen Trail-Hardtails mehr Spaß denn je, sie profitieren exorbitant vom Siegeszug der 29"-Laufräder. Vier von sieben Testbikes rollen auf den großen Rädern vor. Deren Überrollverhalten bringt mehr Komfort und kombiniert mit immer flacheren Lenkwinkeln mehr Spurtreue beim Geländeritt. Weil die Hinterbauten seit ein paar Jahren jedoch immer kürzer werden, fühlen sich 29er längst nicht mehr so ungelenk an wie einst. Wir waren uns im Testteam zumindest am Ende einig, dass die großen Räder für Trail-Hardtails die bessere Wahl sind. Obwohl die breiten 27,5-Plus-Reifen der drei anderen Bikes kleine Schläge komfortabel schlucken, können sie das Niveau nicht halten. In der Seitenlage zu schwammig, verlangen sie etwas mehr Führung. Zudem entwickeln sie bergab nicht den Zug und die Tempofestigkeit der großen Rollen. Besser als „schmale“ 27,5 x 2,4"-Reifen sind sie am Trail-Hardtail aber dennoch.

Foto: Benjamin Hahn Fotografie
Obwohl die Bikes ihre Stärken bergab haben, sind guter Vortrieb und seriöse Klettereigenschaften ebenso gefragt.

Natürlich kann mit starrem Heck niemand so sorglos den Trail runterkesseln wie mit einem guten Trail- oder All-Mountain-Fully. Hardtail fahren heißt das Bike führen. Der Fahrer kann sich nicht vom Fahrwerk über Stock und Stein geleiten lassen und muss mehr Kontrolle ausüben. Einfedernde Knie und Ellenbogen übernehmen, was sonst der Dämpfer macht. Immer in Aktion, bleibt der Körper voll auf Dampf, und die Fahrtechnik erhält womöglich den letzten Schliff – noch zwei Argumente fürs Trail-Hardtail als Winterbike. Apropos: Mal ehrlich, wer fährt im Winter auf feucht glitschigem Boden schon die härtesten und schnellsten Trails? Nur wenige. Der Großteil der Biker-Gemeinde zieht sich dann eher auf flowigere Hometrails im Mittelgebirge zurück. Mit denen wird eine Gabel mit 120 bis 140 mm Hub locker fertig. Mehr braucht es nicht, wenn das Bike lang genug ist und flache Lenkwinkel entsprechend Laufruhe generieren. Das ist bei fast allen Bikes im Test der Fall. 65° Lenkwinkel beim Radon Cragger erinnern schon fast an ein Enduro, so weit geht die Konkurrenz nicht, setzt aber auch auf flache Winkelmaße. Nur Drössiger fällt hier mit 69,5° aus der Reihe.

Robuste Ausstattung? Nicht unbedingt.

Foto: Benjamin Hahn Fotografie
Auch beim Hardtail gehört ein perfektes Setup dazu. Viele Gabeln konnten aber auch mit peniblem Setup nicht ganz überzeugen.

Damit die Trail-Hardtails ihre Vorzüge ausspielen können, sollten sie möglichst mit robusten Teilen ausgestattet sein. Das ist in der Preisklasse um 1500 Euro nur bedingt der Fall. Bis auf Norco und Salsa setzen die Hersteller immerhin bei der Reifenwahl auf deftige Kost. Enduro-Pneus, die sich in tiefes schmieriges Geläuf fressen, dominieren das Feld. Schon bei den Federgabeln hört der Spaß aber auf. Nur Radon, Ghost und Salsa fahren schweres Geschütz in Form von All-Mountain-Gabeln mit 34 mm Standrohrdurchmesser auf. An allen anderen Bikes fangen schlanke Cross-Country-Forken die Schläge ab – mehr schlecht als recht. Ausstattungs- Ausreißer nach unten finden sich auch bei den Bremsen. Die Shimano-Altus-Stopper an Norco und Salsa sind mit der Tempofestigkeit der Bikes kom- plett überfordert. Dass sich das Spardiktat auch bei den Antriebsgruppen durchschlägt, überrascht, weil es mit der NX-Eagle-Gruppe von Sram mittlerweile einen günstigen 1 x 12-Antrieb gibt. Den schrauben nur drei Hersteller an ihre Räder, der Rest fährt leider noch auf 1 x 11 Gänge ab. Vier von sieben Testbikes kommen also mit zu knapper Gangbandbreite für kräftezehrende Anstiege daher. Es kostete Körner, diese Bikes die steilen Rampen auf unserer Teststrecke hochzupedalieren. Zu alledem sind die Räder mit 13,3 Kilo Gewicht im Mittelwert durchwegs schwere Rösser und die griffigen Reifen eher zähe Rouleure. Zwar eignen sich fast alle Testbikes auch für lange Touren, den hohen Abfahrtsspaß muss man sich berghoch aber meist mit einigen Schweißtropfen mehr verdienen.

Kurz und Knapp:

Foto: Benjamin Hahn Fotografie
Die Bikes mussten sich auf einer Teststrecke mit Anstiegen, ruppigen Abfahrten und Kurvenpassagen beweisen.

Große Laufräder und moderne Bergab-Geometrien sind für Trail-Hardtails ein Gewinn, machen sie laufruhiger und schluckfreudiger denn je – Fahrspaß ist garantiert! In der getesteten Preisklasse sind nur die Parts oft limitierend, vor allem bei Gabel und Bremse wird (zu viel) gespart. Auch das Gewicht ist teils zu hoch.

„Hart, aber herzlich! Hardtails verlangen Einsatz und machen genau deshalb richtig viel Spaß. Der Fahrer muss mitgehen, das Bike führen, die Schläge teils selbst abfangen. Daran wächst dann jede Fahrtechnik.“ Benjamin Büchner, Redakteur

So liest du den Biketest

Foto: MOUNTAINBIKE
Der MOUNTAINBIKE-Profiler

Fast wie im Krimi: Mit unserem MOUNTAINBIKE-Profiler kommst du deinem Traum-Bike auf die Schliche, erkennst auf einen Blick den Charakter des Rads.

Das Spinnennetz zeigt, wo die Stärken und Schwächen des Bikes in Relation zum Testumfeld liegen. Je größer der Ausschlag in eine der acht Richtungen, desto prägender der Charakterzug. Ein Allrounder weist rundum eine große Fläche, ein Spezialist eine verschobene Grafik auf. Die jeweiligen Eigenschaften wie Up- oder Downhill sind meist gegensätzlich angeordnet. So siehst du auf einen Blick, welches Profil das Bike aufweist. Die Grafik oben zeigt ein eher abfahrtslastiges Bike mit potentem Fahrwerk – keinen wuseligen Sprinter. Und das versteckt sich hinter den Begriffen:

Uphill/Vortrieb: Passt die Traktion? Steigt die Front? Ist die Sitzposition im steilen Anstieg optimal? Ein niedriges Gewicht steigert den Ausschlag im Profil ebenso wie die Rollfreudigkeit von Laufrädern/Reifen.

Downhill: Ein sicheres Handling ist das A und O, damit ein Bike bergab performt. Dazu fließen die Federung sowie einige Parts wie das Cockpit, die Reifen oder die Bremsen in das Downhill-Profil ein.

Ausstattung: ... umfasst sämtliche Parts wie Schaltung, Antrieb, Federelemente, Laufräder, Reifen oder Anbauteile à la Sattel, Griffe, Cockpit. Aber wir bewerten auch gelungene und innovative Detaillösungen.

Rahmen/Fahrwerk: Ein top gemachter Rahmen mit geringem Gewicht, hohen Steifigkeiten und perfektem Fahrwerk bildet die Basis für das perfekte Bike.

Laufruhe: Hohe Spurtreue bringt Sicherheit bergab, kann unter Umständen aber ins Träge kippen, speziell wenn der Profiler einen geringen Ausschlag zeigt in Sachen Wendigkeit.

Wendigkeit: Je wendiger ein Bike, desto agiler, spielerischer lässt es sich bewegen. Ein Ausschlag nur in diese Richtung (ohne hohen Ausschlag bei Laufruhe) lässt jedoch auf Nervosität schließen.

Robustheit: Liegt der Fokus bei Rahmen und Parts weniger auf Leichtbau, sondern auf Solidität, steigt der Ausschlag der Grafik. Der Gegenpart ist Leichtbau.

Geringes Gewicht: Niedriges Rahmen-, Parts- und Gesamtgewicht lassen auf ein spritziges, leichtfüßiges, in der Ebene wie im Uphill ausgezeichnetes Bike schließen.

... und so testen wir

Auswahl: Das Testfeld entsteht in einem langen Auswahlprozess. Wichtige Punkte sind dabei etwa das vorher festgelegte Preisfenster, die Kategorie oder das Einsatzgebiet. Außerdem achten wir darauf, möglichst neue und/oder innovative Bikes aufzunehmen. Die Bikes werden bei den Herstellern angefordert, müssen drei Monate bei uns bleiben, ehe sie retourniert werden. Für diesen Test fragten wir elf Hersteller an. Votec und Orbea sagten ihre Bikes ab, da noch keine 2019er Modelle verfügbar sind. Trek und Last führen ab der neuen Saison kein Bike mehr in der abgefragten Preisklasse.

Praxistest: Außer dem Testleiter sind bei jedem Biketest drei erfahrene Tester am Start. Jeder Tester fährt jedes Bike mindestens einmal über einen acht Kilometer langen Rundkurs. Den Vergleich der Hardtails führten wir auf Trails im Remstal durch. Nach jeder Runde notieren wir Noten und Eindrücke in acht Bereichen – etwa in Sachen Vortrieb, Downhill oder Handling. Diese Bewertungen werden nach Ende des Praxistests besprochen.

Labortest: Unsere Techniker wiegen alle Bikes und zerlegen sie in ihre Einzelteile. Die Rahmen werden (wie Gabeln und Laufräder) einzeln gewogen, danach vermessen. Die Gewichte und Daten in den Geometrie-Skizzen sind keine Herstellerangaben, sondern jeweils von uns ermittelt. Die Parts werden notiert und mit den Herstellerangaben verglichen. Anschließend vermisst unser Werkstattchef Haider Knall und sein Team auf Prüfständen des renommierten EFBE-Instituts die Steifigkeiten. Diese Werte fließen in die Bewertung der Bikes mit ein.

Punktevergabe und Benotung

Komplex, unbestechlich und für alle Leser einsehbar: Jedes MOUNTAINBIKE- Urteil basiert auf einer ausgefeilten Punktetabelle, die wir hier erklären.

Foto: MOUNTAINBIKE

Jedem MOUNTAINBIKE-Radtest liegt eine komplexe Punktematrix zugrunde. Um maximale Transparenz und Informationen zu bieten, ist jede Bewertungskategorie einzeln aufgelistet. Wie jedes Jahr haben wir die Kriterien 2019 auf die Entwicklungen der Saison angepasst. Da wir die Bikes sehr streng bewerten, ist es für die Hersteller schwer eine „überragende“ Bewertung zu bekommen. Dafür müssen Geometrie, Handling, Vortriebseigenschaften und Ausstattung nahezu pefekt sein. Im Umkehrschluss bedeutet „gut“ dann, dass das Bike auch wirklich gut und kein Reinfall ist. Die Unterschiede zwischen einem „sehr guten“ Bike mit 220 Punkten und einem „sehr guten“ Rad mit 200 Punkten sind ebenfalls deutlicher bemerkbar. Modelle im unteren „sehr guten“ Bereich sind oft nicht so ausgewogen, dafür ist eine Charaktereigenschaft wie Downhill oder Vortriebseffizienz stark ausgeprägt. Die Höchstpunktzahl bleibt 250 – aufgeteilt auf zwölf Bereiche.

Ganz wichtig: Die jeweilige Gewichtung, wenn etwa für Downhill 20 oder aber 30 Punkte verteilt werden, passen wir an das jeweilige Testfeld an. Nur so lassen sich Räder innerhalb der völlig unterschiedlichen Kategorien bewerten und vergleichen. Der Fokus bei den Trail-Hardtails liegt etwas mehr auf dem Fahrspaß, Abfahrtsqualitäten und dem Handling – aber ohne dass Vortriebs- und Klettereigenschaften zu sehr abgewertet werden. Rund die Hälfte der Punkte (Gewicht Bike, Gewicht Rahmen, Rahmensteifigkeit, Ausstattung, Verarbeitung/Sonstiges) resultieren aus Laborergebnissen und der eingehenden Analyse unserer Techniker.
Die anderen Punkte berechnen sich aus den (nicht abgebildeten) Einzelnoten der vier Testfahrer, die beim Praxistest unterwegs waren. Das Bike mit den meisten Punkten erhält am Ende den Testsieg. Zudem vergeben wir einen zusätzlichen Tipp für das oder die Bike(s) mit außergewöhnlich gutem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Steifigkeiten und Gewichte im Direktvergleich

Foto: MOUNTAINBIKE

Eine hohe Lenkkopfsteifigkeit sorgt für ein präzises und direktes Handling, ein zu hartes Bike verzeiht jedoch Fehler weniger. Werte zwischen 60 und 100 Nm/° definiert MOUNTAINBIKE auch für schwere Fahrer als gut. Fast alle Bikes im Test liegen (weit) über diesem Wert, was in der Praxis aber nie negativ auffiel.

Die mit Präzisionswaagen ermittelten Werte zeigen, wie sich das Gewicht verteilt. 13,5 kg Durchschnittsgewicht sind für Hardtails auch in unteren Preisklassen schwer. Nur das Drössiger bleibt unter 12,5 kg. Sehr schwer ist auch die rotierende Masse mit im Schnitt 5413 g – das ist schlecht für den Vortrieb.

1) Inkl. Federbein, Steckachse, Schaltauge, Zugführung, Flaschenhalterschrauben, fixem Rahmenschutz etc.
2) Inkl. Steckachse
3) Kompletter Laufradsatz, dazu Mantel, Schlauch (oder Milch + Ventile), ggf. Dichtband, Kassette und Bremsscheiben mit Verschraubung