So testet MOUNTAINBIKE

Testprozedere erklärt: So testen wir MTBs

So testet MOUNTAINBIKE Bikes im harten Vergleichtstest im Detail
Foto: Benjamin Hahn Fotografie

Hinter jedem Biketest steht ein enormer Aufwand. Wir zeigen, wie wir unsere Biketests gestalten und welche Anstrengungen wir betreiben, um MTBs für unsere Leser professionell vergleichen zu können.

Komplex, unbestechlich und für alle Leser einsehbar: Jedes MOUNTAINBIKE Urteil basiert auf einer Methodik mit ausgefeilten Punktetabellen, die wir hier im Detail erklären.

Wie alles beginnt - Auswahl der Testbikes

Foto: Redaktion
Romantische Excel-Tabellen: So startet fast jeder Biketest bei MOUNTAINBIKE, wenn es ums Festlegen des Testfeldes geht.

Vor jedem Biketest wird die Kategorie der Testbikes festgelegt. Dann beginnt die Modellrecherche, auf deren Basis wir die Preisklasse und schließlich das Testfeld erarbeiten. In der Regel besteht ein Testfeld aus 8-12 Bikes. In Ausnahmefällen ist ein Feld aber auch mal exklusiver, oder auch breiter aufgestellt. Wichtig für die Auswahl der Bikes ist neben der passenden Preisklasse der Neuigkeitsgrad der Bikes, der Innovationswert und die Popularität der Marke bei unseren Tests. Ein neues, innovatives und beliebtes Modell hat also größte Chancen, in den Test geladen zu werden. Auf der anderen Seite schauen wir aber auch immer nach spannenden "Exoten", um das Testfeld attraktiv und abwechslungsreich zu gestalten.

Die Preisklasse für Modelle, die beim Händler angeboten werden, unterscheidet sich in der Regel leicht von den Versenderbikes. So kompensieren wir den Nachteil der Händlermarge gegenüber der Direktanbietern wie Canyon, Radon, Rose oder YT.

Die Bikes werden dann bei den Herstellern bestellt, also zum Test eingeladen. Anschließend bleiben sie rund zwei Monate in der Testredaktion, ehe sie von uns wieder zum Hersteller zurück geschickt werden.

Praxistest: Der Trail unter den Stollen

Jeder Biketest wird von einem Testleiter sowie drei erfahrenen Testern/ Redakteuren durchgeführt. Auf einem zum jeweiligen Einsatzzweck der Bikes passenden, selektiven Rundkurs wird jedes Rad von jedem Tester mindestens einmal gefahren. Danach notieren die Fahrer ihre Noten und Eindrücke in acht Bereichen – etwa in Sachen Vortriebsefzienz, Fahrwerk, Downhill oder Handling.

Nach Ende des Praxistests werden alle Bikes gemeinsam besprochen und die Noten auf ungewöhnliche Abweichungen hin überprüft.

Wir testen die Bikes auf Strecken, die ihrem Einsatzgebiet entsprechen. Ein Enduro mit viel Hub muss sich in deutlich härterem Geläuf beweisen als ein Racefully mit wenig Federweg. Mit schnellen Racebikes klettern wir dafür mehr Höhenmeter als mit einem Enduro - dem Einsatzzweck entsprechend eben.

Zumeist testen wir die Bikes in der Region Stuttgart, teils weichen wir nach Sasbachwalden aus. Wir passen unsere Testorte zudem der Wetterlage an, um für jedes Bike vergleichbare Bedingungen zu garantieren. Ist es rund um Stuttgart zu feucht/unbeständig, zieht es uns in der Regel ins Vinschgau oder nach Finale Ligure - wo dann auch die Fotoproduktionen mit stattfinden.

So testen wir im Labor

Foto: Benjamin Hahn Fotografie
Eingespannt: Werkstattleiter Chris Knall misst die Geometrie vom Canyon Neuron CF.

Alle Bikes werden gewogen und teils in ihre Einzelteile zerlegt. Bei ausgesuchten Tests werden die Rahmen (wie auch Gabeln und die Laufräder) einzeln gewogen, danach vermessen. Alle Gewichte sowie die Daten in den Geometrie-Skizzen/Spalten sind keine Herstellerangaben, sondern werden durch unser Labor ermittelt. Alle Parts werden notiert und mit den Angaben der Hersteller verglichen. Die Ausstattung ?ießt ebenfalls in die Endnote mit ein. Bei ausgesuchten Tests vermisst unser Laborchef Chris Knall auf Prüfständen des renommierten EFBE-Instituts die Steifigkeiten der Rahmen. Diese Werte ?ießen dann wie auch die Gewichte in die Endabrechnung mit ein.

Foto: Benjamin Hahn Fotografie
Auch die exakte, stets identische Positionierung der Sattelhöhe gehört für jeden Tester zum Setup eines jeden Bikes dazu.

Jedem MOUNTAINBIKE-Radtest liegt eine komplexe Punktematrix zugrunde. Um maximale Transparenz und Informationen zu bieten, gibt es die Ergebnistabelle zum Nachlesen. Wie jedes Jahr haben wir die Kategorien auf die Entwicklungen der Saison angepasst. Die Unterschiede zwischen einem "sehr guten" Bike mit 220 Punkten und einem "sehr guten" Rad mit 200 Punkten sind deutlich bemerkbar. Modelle im unteren "sehr guten" Bereich sind of nicht so ausgewogen, dafür ist eine Charaktereigenschaf wie Downhill oder Vortriebsefzienz bisweilen stark ausgeprägt. Die Höchstpunktzahl beträgt 250 – aufgeteilt auf zwölf Bereiche.

Testklassen: Die Gewichtung macht den Unterschied

Foto: Benjamin Hahn Fotografie
Pflichtprogramm jedes Biketests: Eindrücke aufschreiben, Noten machen und anschließend diskutieren.

Ganz wichtig: Die jeweilige Gewichtung, wenn etwa für Downhill 20 oder aber 30 Punkte verteilt werden, passen wir an das jeweilige Testfeld an. Nur so lassen sich Räder innerhalb der völlig unterschiedlichen Kategorien bewerten und vergleichen.

Der Fokus bei All-Mountain-Fullys liegt etwa mehr auf dem Fahrspaß und dem Handling, per se muss so ein Bike aber
natürlich auch bergauf und als Allrounder überzeugen. Bei einem Racefully achten wir hingegen mehr auf ein spritziges Handling und top Klettereigenschaften. Ebenso soll das Rad leicht sein..

Foto: Benjamin Hahn Fotografie
Vor dem Test wird geschraubt: Jeder Tester passt sein Testbike an die persönlichen Vorlieben an. Bremshebel, Fahrwerkssetup und Sitzposition müssen passen.

Je nach Test resultieren ein Drittel bis eine Hälfte der Punkte aus Laborergebnissen und der eingehenden Analyse unserer Techniker (Gewicht Bike, ggf. Gewicht Rahmen, ggf. Rahmensteifgkeit, Ausstattung, Verarbeitung/Sonstiges). Die anderen Punkte berechnen sich aus den Einzelnoten der vier Testfahrer, die beim Praxistest unterwegs waren.

Logo, das Bike mit den meisten Punkten erhält am Ende den Testsieg. Zudem vergeben wir einen oder mehrere zusätzlichen Tipp(s) für das oder die Bike(s) mit außergewöhnlich gutem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Der MOUNTAINBIKE-Profiler erklärt

Foto: MOUNTAINBIKE
Mit unserem MOUNTAINBIKE-Profiler findest du dein Traumbike ziemlich sicher. Damit erkennst du auf einen Blick den Charakter der Testbikes.

Das Spinnennetz zeigt, wo die Stärken und Schwächen des Bikes in Relation zum Testumfeld liegen. Je größer der Ausschlag in eine der acht Richtungen, desto prägender der Charakterzug. Ein Allrounder weist rundum eine große Fläche, ein Spezialist eine verschobene Grafk auf. Die jeweiligen Eigenschaften wie Up- oder Downhill sind meist gegensätzlich angeordnet. So siehst du auf einen Blick, welches Profil das Bike aufweist.

Uphill/Vortrieb:
Passt die Traktion? Steigt die Front? Ist die Sitzposition im steilen Anstieg optimal? Ein niedriges Gewicht steigert den Ausschlag im Profil ebenso wie die Rollfreudigkeit von Laufrädern/Reifen.

Downhill:
Ein sicheres Handling ist das A und O, damit ein Bike bergab performt. Dazu ?ießen die Federung sowie einige Parts wie das Cockpit, die Reifen oder die Bremsen in das Downhill-Profil ein.

Ausstattung:
... umfasst sämtliche Parts wie Schaltung, Antrieb, Federelemente, Laufräder, Reifen oder Anbauteile à la Sattel, Griffe, Cockpit. Aber wir bewerten auch gelungene und innovative Detaillösungen

Rahmen/Fahrwerk:
Ein top gemachter Rahmen mit geringem Gewicht, hohen Steifigkeiten und perfektem Fahrwerk bildet die Basis für das perfekte Bike.

Laufruhe:
hohe Spurtreue bringt Sicherheit bergab, kann unter Umständen aber ins Träge kippen, speziell wenn der Profiler einen geringen Ausschlag zeigt in Sachen Wendigkeit.

Wendigkeit:
Je wendiger ein Bike, desto agiler, spielerischer lässt es sich bewegen. Ein Ausschlag nur in diese Richtung (ohne hohen Ausschlag bei Laufruhe) lässt jedoch auf Nervosität schließen.

Robustheit:
Liegt der Fokus bei Rahmen und Parts weniger auf Leichtbau, sondern auf Solidität, steigt der Ausschlag der Grafk. Der Gegenpart ist Leichtbau.

Geringes Gewicht:
Niedriges Rahmen-, Parts- und Gesamtgewicht lassen auf ein spritziges, leichtfüßiges, in der Ebene wie im Uphill ausgezeichnetes Bike schließen.